„Heute ist Leichtigkeit in die Karrieremessen gekommen“

Recruiting 4.0. – eine Gradwanderung zwischen virtuellen Welten und persönlichem Kontakt. Mittendrin in der Diskussion: Karrieremessen. Heike Schreiner, Geschäftsführerin des WU ZBP Career Center und Veranstalter der Career Calling, im Gespräch über die Career Calling gestern und heute.

Wie haben sich Karrieremessen in den vergangenen Jahren gewandelt?
Das Angebot von Karrieremessen hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Vor zehn Jahren gab es eine Handvoll Messen pro Jahr. Heute können Studierende mehrmals pro Semester auf größere oder kleinere Karrieremesse gehen. Außerdem wurden die Messen sehr spezialisiert und richten sich an eine ganz genau definierte Gruppe – z.B. an Lehrlinge, Schüler/innen, Studierenden oder Young Professionals. Momentan merkt man, dass sich sowohl Arbeitgeber als auch Studierende genau überlegen, welche Messe sie besuchen. Es geht um Mehrwert und Herzblut.

Gibt es Änderungen bei den Erwartungen von Ausstellern und Besucher/innen?
Während wir bei Arbeitgebern oft merken, dass diese gerne anhand von Zahlen entscheiden - Welche Messe bringt die meisten Studierenden, die meisten Gespräche, die meisten Einstellungen - steht bei Studierenden oft neben der zeitlichen Komponente „Ich suche jetzt einen Job“ auch der Fun-Faktor im Vordergrund. Es ist etwas Leichtigkeit in den Karrieremessen-Bereich gekommen – vor allem, wenn es wie bei einer Karrieremesse auch um Orientierung und die eine oder andere neue Job-Idee und nicht nur um den spannungsgeladenen Prozess des Bewerbungsgesprächs geht.

Die Career Calling als virtuelle Karrieremesse – ist das möglich?
Im Gegensatz zu den Entwicklungen am digitalen Jobmarkt, geht es bei Karrieremessen noch immer um das persönliche Gespräch. Das Gespräch zwischen zwei Menschen. Man soll erleben, wie der/die andere tickt, ein Gefühl für das Unternehmen – den zukünftigen Arbeitgeber –bekommen. Eine Karrieremesse kann man in die Rubrik „Mitarbeiter/innen werben neue Mitarbeiter/innen“ -ähnlich einem Mitarbeiter-Empfehlungsprogramm – einordnen. Sobald sich auf der Messe ein tolles Gespräch ergibt und sich der/die bestehende Mitarbeiter/in für den/die Studenten/in ausspricht, ist das die beste Empfehlung. Wenn auf der anderen Seite ein/e Student/in auf einer Messe auf eine/n begeisterte/n Unternehmensvertreter/in trifft, so wird sie/er genauso begeistert von dem Unternehmen sein.

Worum geht es Unternehmen bei einem Messeauftritt in erster Linie: Recruiting oder Branding?
Vor zehn Jahren wurde auf Karrieremessen noch massig rekrutiert. Viele Erfolgsgeschichten nahmen auf der Career Calling ihren unmittelbaren Startschuss und wir bekamen wenige Wochen nach der Messe Rückmeldungen über Einstellungen. Da Studierende Karrieremessen heute dazu nutzen sich zu orientieren oder einen Überblick zu verschaffen, geht es für Arbeitgeber mehr darum, sich bekannt zu machen. Ein Messeauftritt wird zu einem Baustein im gesamten Portfolio aller Recruitingmaßnahmen.

Was ist ein No-Go am Messestand?
No-Gos am Messestand sind eigentlich ganz einfach zu vermeiden und scheinen fast banal, dennoch: Wenn sich Kolleg/innen am Messestand nur miteinander unterhalten. Wenn Unternehmensvertreter/innen keine Informationen über offene Jobs oder Recruitingprozesse geben können. Wenn dem Gegenüber keine Aufmerksamkeit geschenkt wird und schon der/die nächste Kandidat/in herangewunken wird.  

Wann sagen Sie: „Die Messe hat sich gelohnt!“?
Wenn sowohl Arbeitgeber als auch Besucher/innen sagen: „Wow! Das war ein toller Tag!

Ursula Axmann und Heike Schreiner sind Geschäftsführerinnen des WU ZBP Career Centers und seit 2006 für die Career Calling verantwortlich.